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Brauchen Unternehmen zukünftig noch Büros?

Vietenplus_Personalrecruiting Ahrensburg_Büro im Work Kontor

Auftakt der Interview-Reihe “Talk im Kontor” mit spannenden Gästen zu den Themen: Arbeitsorte der Zukunft, Zusammenarbeit in digitalen Zeiten und weiteren spannenden und aktuellen Fragestellungen. Diese Ausgabe mit Christiane Vieten, Geschäftsführerin, und Corinna Oberbacher, Active Sourcing, von Vietenplus.

Wir sind Spezialisten, um auch hinter die Fassade zu schauen und die richtigen Persönlichkeiten für unsere Kunden zu finden.
Christiane Vieten_Vietenplus
Christiane Vieten
Geschäftsführerin Vietenplus

Work Kontor (WK): Womit beschäftigt sich Vietenplus? Was macht ihr und wer seid ihr?

Christiane Vieten (CV): Wir sind dann aktiv, wenn Firmen bestimmte Positionen entweder mit hoher Behutsamkeit besetzt wissen wollen oder sie haben schon selber länger gesucht, finden bestimmte Profile am Markt selbst nicht. Es kann sein, dass ein neues Geschäftskonzept da ist, sodass es ein neues Mitglied im Management braucht. Es kann sein, dass ein neues Geschäftsfeld aufgesetzt und ein Spezialist gesucht wird, der ein ganz bestimmtes Wissen mitbringt, um dieses Geschäft zu beflügeln – dann sind wir die Richtigen. Das heißt wir suchen mit den Mitteln der Direktansprache, begleitet von verschiedenen Online-Tools und haben eine lange, lange Vita in der Auswahl hinter uns. Wir sind Spezialisten, um auch hinter die Fassade zu schauen und die richtigen Persönlichkeiten für unsere Kunden zu finden. Das ist das, was wir tun.

WK: Kannst du ein bisschen was zu der Unternehmensstruktur sagen? Wie viele Mitarbeiter habt ihr, wie seid ihr aufgestellt?

CV: Wir haben einen bereiten Innendienst, der hier auch im Work Kontor sitzt und wir haben fünf Berater, die sitzen in Deutschland in der Fläche. Wir haben Spezialisten für das Onlinegeschäft – das ist Corinna, die ebenfalls an diesem Interview teilnimmt. Corinna steckt sehr, sehr tief in den Medien und sucht wie ein Trüffelsucher nach den richtigen Profilen.

WK: Was hat sich aus der Sicht deines eigenen Unternehmens seit der Corona-Pandemie verändert. Was nehmt ihr aus den Gesprächen mit Unternehmen wahr?

CV: Das ist eine breite Frage. Was sich verändert hat, muss man differenziert nach Branche betrachten. Und wir müssen differenzieren nach: “Wie geht man mit dem Thema Bürofläche um – braucht es noch ein eigenes Büro?” Dann gibt es das Thema: “Wie bastle ich mein Geschäft so, dass ich weniger Präsenz habe? Also wie kann ich den persönlichen Kontakt bestmöglich überbrücken?” D.h. ich brauche neue digitale Tools. Insofern was hat sich verändert in Bezug auf Präsenz bzw. die Arbeit vor Ort oder nicht vor Ort: Die Strukturen in den Firmen haben sich vielfältig verändert. Ich denke der gemeinsame Nenner ist der, dass alle Wege finden müssen, wie man die Arbeit organisiert, ohne zu viele persönliche Kontakte zu haben. Das hat natürlich das ganze Thema Digitalisierung extrem beflügelt und das hat uns einen Tritt gegeben, weil wir, was das betriff, europaweit oder weltweit keine großartige Stellung innegehabt haben in Deutschland. Und das läuft jetzt bei vielen Unternehmen richtig, richtig gut. Das interessante ist, die meisten Firmen haben die Erfahrung gemacht, dass es viel, viel besser läuft als man geglaubt hat vorher. Ich denke, kaum jemand arbeitet mehr ohne Teams, ohne Zoom. Skype war vorher schon das Mittel der Wahl. Die Möglichkeiten sich virtuell zu treffen, sind vielfältig und werden auch immer mehr genutzt und die allermeisten haben auch positive Erfahrung gemacht.

WK: Was glaubst du, warum kommt es erst jetzt durch diesen Auslöser der Corona-Pandemie? Warum nicht vorher?

CV: Es gibt einige Firmen, die haben digitale Werkzeuge schon vorher genutzt und haben schon gute Erfahrung gemacht. Ich glaube, dass wir noch ein Denken alter Schule in den Köpfen haben. Um es auf den Punkt zu bringen: „Nur ein Mitarbeiter, den ich ständig kontrolliere, leistet auch gute Arbeit.“ Dass die Mitarbeiter tatsächlich auch gute Arbeit leisten, ohne dass ich ständig hinterher bin und jedes Detail kontrolliere, das ist jetzt erst ins Bewusstsein gerückt. Ein Psychologe würde sagen: Neue Erfahrung gemacht, gute Erfahrung gemacht, Haken dahinter gesetzt, ist jetzt in den Alltag integriert. Ich denke, dass wir vorher immer noch dazu geneigt haben, sehr hierarchisch zu arbeiten, sehr top down zu arbeiten und, dass neue Arbeitsansätze, die es überall schon gegeben hat, jetzt mit einem Riesenschwung nach vorne gekommen sind – mit einem ganz großen Sprung. Auch bei Firmen, von denen man glaubte, das wäre das Letzte was sie tun. Selbst dort hat es Einzug gehalten und ich glaube es wird auch keinen Weg mehr zurückgeben. Es ist eine nachhaltige Veränderung.

Corinna Oberbacher (CO): Wir führen wirklich kaum noch Präsenzinterviews durch. Stattdessen, läuft alles über Teams etc.. Maximal beim ersten oder zweiten Step, wollen die Kunden die Person dann schon gerne mal live und in Farbe sehen, die sie einstellen. Das wird schon wieder mehr. Aber auch so: Wir erreichen die Leute zu 80 – 90% im Homeoffice. Und sie fordern es auch ein. Ich spreche mit den Leuten und stelle Positionen vor, die wir für unsere Kunden besetzen. Diese Frage kommt relativ regelmäßig. D.h. auch der Markt fragt es nach: Muss ich unbedingt umziehen? Gibt es auch Homeoffice-Lösung? Kann ich 2 Tage vor Ort sein und 3 Tage zuhause? Ganz klar: Man muss nicht für jeden Job 5 Tage/Woche vor Ort sein.

Wir haben noch ein Denken alter Schule in den Köpfen: "Nur ein Mitarbeiter, den ich ständig kontroliere, leistet auch gute Arbeit."
Christiane Vieten_Vietenplus
Christiane Vieten
Geschäftsführerin Vietenplus

WK: Wie kann ich den Wunsch gegenüber meinem Arbeitgeber durchsetzen? Die Sorge geht bei vielen Arbeitnehmern schon noch in die Richtung: Wir haben eine Pandemie, wir haben eine Ausnahmezeit, wir haben eine Krise und danach wieder zurück zur “Normalität”? Nehmt ihr eine nachhaltige Veränderungsbereitschaft bei den Unternehmen diesbezüglich wahr? 

CV: Ich glaube, es ist eine Frage, die sich andersrum stellt. Wenn ich als Unternehmen am Markt überleben will, brauche ich Mitarbeiter. Mitarbeiter werden zunehmend knapp. Das ist nicht nur in Facharbeiterkreisen oder bestimmten Branchen so, sondern wir haben die Knappheit über alle Branchen und über alle Funktionsbereiche. Wir haben einfach zu wenig Arbeitnehmer. Das hängt mit einer überalterten Gesellschaft zusammen, das hängt auch damit zusammen, dass wir eine rückläufige Geburtenquote haben. D.h. der Anteil derjenigen, die sterben ist deutlich höher, wird durch die Geburtenrate aber nicht aufgefangen, demnach haben wir einen Bevölkerungsrückgang, der auch nicht durch Zuwanderung aufgefangen wird. Der Arbeitnehmermarkt ist knapp. Um dann die richtig guten Kräfte für mich zu gewinnen, muss ich mich als Arbeitgeber anders positionieren. Ich bin gezwungen mich auf die Bedürfnisse der nachwachsenden Generation einzustellen. Die neuen Generationen und die, die jetzt dran sind, haben inzwischen eine so große Macht, dass die Unternehmen nicht wirklich zu alten Strukturen zurückgehen können. Das ist eine Macht des Faktischen. Wir haben Kunden gerade aus dem Softwarebereich, die bspw. Sensoren für autonomes Fahren entwickeln. Da geht es gar nicht anders, wenn ich junge Softwarearchitekten einstellen will, erwarten diese inzwischen eine bestimmte Arbeitsumgebung, flexible Arbeitszeiten, Homeoffice-Möglichkeiten, vernetztes Arbeiten. Wenn ich das nicht biete, werde ich diese Kräfte nicht bekommen. Und das gilt in abgemilderter Form für alle Bereiche. Insofern: Es wird aus meiner Sicht kaum einen Weg zurück zu alten Strukturen geben. Die neuen Strukturen sind gesetzt und in vielen Bereichen positiv angenommen. Diejenigen, die daran vorbei wollen, müssen sich eine andere Möglichkeit überlegen, wie sie an die Arbeitnehmer rankommen – und das wird sehr, sehr schwierig werden.

WK: Welche Änderungen / Anpassungen hast du für dein Unternehmen vorgenommen?

CV: Was uns ganz persönlich anbetrifft: Wir setzen schon lange auf digitale Strukturen und Online-Möglichkeiten, um Bewerber zu akquirieren und das wird noch stärker. Vor 20 Jahren hatten wir den großen Shift von Print-Medien zu Online-Medien. Heute ist es so, dass die großen Stellenbörsen langsam ins Hintertreffen geraten bzw. in den Rückzug geraten gegen die interaktiven Börsen. Die Börsen, bei denen ich aktiv auf Menschen zugehe wie Xing oder LinkedIn, haben einen enormen Aufwind und die passiven Börsen, wie Stepstone und Jobware, merken langsam, dass ihnen die Felle wegschwimmen. Das reaktive „Ich poste eine Anzeige und warte, dass sich jemand bewirbt“ verschiebt sich zu einem interaktiven „Ich muss auf die Leute zugehen“. In der Richtung haben wir sicherlich unsere Instrumente angepasst, wir haben aber auch unsere Arbeitsstrukturen sehr stark angepasst. Wir arbeiten aus dem Homeoffice heraus, das haben wir auch schon vor Corona getan. Wir haben unsere Systeme in die Cloud gebracht und haben damit eine noch sehr viel höhere Performance erreicht, eine sehr viel stärkere Vernetzung der Berater untereinander und einen sehr schnellen Zugriff auf alle wichtigen Daten und das 24/7. D.h. wirklich ohne Verzögerung sind wir in Echtzeit alle miteinander vernetzt und auf dem Laufenden. Das sind die wesentlichen Dinge, die wir getan haben.

WK: Inwieweit siehst du diese ständige Erreichbarkeit von Daten, z.B. cloudbasierte Datensysteme als notwendige Voraussetzung, um auch in der Zukunft einen Anreiz für Arbeitnehmer darzustellen?

CV: Das ist vielleicht weniger ein Anreiz für Arbeitnehmer. Ja, für unsere Berater schon, denn die Daten sind unser Handwerkszeug. Für die Mitarbeiter – wir haben gerade eine Situation besprochen – kann es auch mal in die andere Richtung gehen. Am Betriebsrat vorbei (in großen Firmen), werden Mitarbeiter auch ein Stück weit transparent werden. Man sieht, wer ist wann online, wer ist erreichbar, wer hat seine Mails gelesen oder auch nicht gelesen. Das ist die Schattenseite daran. Wobei ich sage, das sind Dinge, deren Umgang muss man lernen. Das sind Themen, die auf alle Personalabteilungen und HR-Teams zukommen werden. Ich muss mit dieser enormen Verfügbarkeit bzw. dieser irrsinnigen Leistung, die mir diese Plattformen liefern, umgehen können. Und ein Stück weit muss ich dann auch Arbeitnehmer schützen: Z.B. davor, sich für jede Auszeit rechtfertigen zu müssen. Das geht auch nicht – das setzt im Grunde genommen eine neue Kultur des Vertrauens voraus. Und ein Stück weit muss es natürlich auch regeln haben, dass man einen neuen modus videndi des miteinander Umgehens findet. 

WK: Ich habe gerade heute in einem Artikel gelesen, dass 36% der deutschen Arbeitnehmer aus dem Homeoffice arbeiten, es könnten aber 56% sein. Seitens der Politik wird immer mal wieder andiskutiert, ob es eine Verpflichtung der Arbeitgeber geben sollte, ihren Arbeitnehmern Homeoffice zu ermöglichen. Wie seht ihr das – positiv oder negativ?

CO: Es hat was für sich und was gegen sich. Es erhöht die Flexibilität. Ich habe früher auch schon ein Tag von zuhause gearbeitet, jetzt arbeite ich 5 Tage die Woche von zuhause aus. Ich spare mir den Arbeitsweg, um ganz pragmatisch zu sagen, man ist schneller am Tisch und auch schneller wieder „weg“. Nichtsdestotrotz fehlt mir schon der persönliche Kontakt und Austausch, ich telefoniere mit unseren Mädels, aber ich kann nicht genau sagen, wann ich sie das letzte Mal gesehen habe. Das finde ich schon schwierig. Ich glaube den meisten wird es so gehen, das ist auch der Trend – eine Mischform. Langfristig ist das auch was sich zwischenmenschlich durchsetzen wird: Ein Teil zuhause, ein Teil vor Ort, um auch echte Menschen zu sehen. Und das wird glaube ich auch nicht mehr komplett zu drehen sein. Wir haben unsere Bürofläche deutlich verkleinert, jetzt kommt Corona on top. Wir haben gar nicht den Platz uns mit vier Leuten hinzusetzen. D.h. es wird in einem Austausch bleiben, es wird dauerhaft ein anderes Arbeiten sein, aber ich glaube final, die persönlichen Begegnungen werden nicht zu 100% zu ersetzen zu sein. 

CV: Alle unsere Kunden sehen die Vorteile, sehen auch die finanziellen Vorteile, sehen auch die ursprünglichen Befürchtungen wie „Jetzt chillt jeder zuhause“, die gar nicht eintreffen. Sondern im Gegenteil, die Leistung steigt eher – das muss man so deutlich sagen. Was die Arbeitgeber häufig monieren, ist, dass der kreative Austausch an der Kaffeemaschine wegfällt. Die ungewollten tollen Ideen, die aus dem ungezwungenen Miteinander kommen – die fallen weg. Wobei ich denke, dafür muss man neue Plattformen, neue Möglichkeiten finden. Ich sag mal, dieses Motiv dazu zu wählen, um zu alten Strukturen zurückzukommen, ist obsolet. Aber ich glaube, dass es für die Zukunft ein Thema sein wird. Wo kann ich kreative Winkel oder kreative Räume schaffen, um das Gespräch an der Kaffeemaschine zu ersetzt oder wo diese Form von Ideen, die durch Zufall generiert werden, auch wieder ins Unternehmen zurückfließen.

WK: Digital oder offline?

CV: Ich würde mal sagen, wir müssen auch digital Wege finden, weil es wird offline nicht mehr zu alten Verhältnissen zurückkehren. Möglicherweise in einem Mix, dass man punktuell – und dafür wäre ja so ein Coworking-Space wie das Work Kontor eine geniale Möglichkeit – oder, zumindest sporadisch, das Gespräch an der Kaffeemaschine reaktiviert.

Die Frage ist, wie viel Fläche ich noch brauche und da vermute ich mal, brauchen wir viel weniger als viele große Unternehmen momentan noch glauben zu brauchen.
Christiane Vieten_Vietenplus
Christiane Vieten
Geschäftsführerin Vietenplus

WK: Wir sehen uns zunehmend als Third Place – ein dritter Ort, eine Arbeitsräumlichkeit neben dem Homeoffice und dem eigentlichen Firmenstandort, um das zwischenmenschliche Zusammenkommen, um das kreative und kollaborative Arbeiten zu fördern und zu ermöglichen. Gerade für diese Zufallstreffer, die es hier auch schon gab. Da sehen wir uns auch ganz stark als Anbieter, genau das einfach zu ermöglichen.

Eine ketzerische Frage: Brauchen Unternehmen überhaupt noch Büroflächen? Ist das notwendig oder reicht irgendwo eine Briefkastenadresse?

CV (schweigt lange): Gute Frage. Stand heute sind wir glaube ich noch nicht so weit, dass wir komplett auf Büros verzichten können oder auf eine Bürofläche.  Das mag in 10 oder 20 Jahren anders aussehen. Hätte man sich vor 10 oder 20 Jahren noch nicht vorstellen können, in welchem großen Ausmaß wir heute remote arbeiten. Ich denke, eine Entwicklung in eine neue Arbeitsform braucht Zeit. Wir brauchen Übergänge, wir brauchen die Ablösung von Neu zu Alt. Das Alte gilt nicht mehr, das Neue ist aber noch nicht komplett da. Und irgendwo hängen wir dazwischen. Und für diese lange Zeit der Änderung brauchen wir Flächen, wo wir uns treffen und begegnen können. Mein Wunsch, mein ganz persönlicher Wunsch wäre, dass wir uns auch in 10 Jahren noch persönlich begegnen und dafür noch irgendwo Flächen haben werden. Ich bin mir aber nicht sicher, ob es tatsächlich so sein wird. Ich für meinen Teil glaube, Büroflächen, gerade für die Älteren – nein auch für die Jüngeren – auch die Jüngeren wollen sich begegnen und wollen persönlichen Austausch haben – brauchen wir. Die Frage ist tatsächlich, wie viel Fläche ich noch brauche und da vermute ich mal, brauchen wir viel weniger als viele große Unternehmen momentan noch glauben zu brauchen.

WK: Interessanter Aspekt. Du sagst, man braucht eigentlich weniger Büroflächen, zeitgleich –  und das ist jetzt meine persönliche Meinung – glaube ich, dass der Platzbedarf pro Arbeitnehmer gerechnet fast sogar steigen wird. Zum einen, weil wir die Veränderungen, die wir im letzten Jahr durchgemacht haben mit Abstand und weniger Kontakt, dazu führt, dass die Gedanken zum Thema Nähe der Menschen untereinander anders wahrgenommen werden –  auch langfristig. Und zum anderen glaube ich, dass gerade durch diese sehr digitale Arbeit es auch nötig wird, Räume vorzuhalten, die z.B. eher fokussiertes Arbeiten in Ruhe ohne Störung ermöglichen und zugleich auch Bereiche wie eine Art Ruheraum oder kreative Zonen, um sich mal außerhalb seines Bürostuhls entspannt hinzusetzen. Oder auch Besprechungs- und Meetingräume und auch Räume, die anders gestaltet sind als nur mit einem schlichten Konferenztisch, dass eben dieses kreative Denken, der Prozess, in dem neue Impulse entstehen, dass der angereizt werden muss und dafür bedarf es eigentlich doch sehr viel mehr Platz. Der Punkt daran ist glaube ich nur, dass ein Unternehmen diesen riesigen Platzbedarf, den es eigentlich braucht, um alle Bedürfnisse abzubilden, gar nicht finanziell stemmen kann. Das macht wirtschaftlich betrachtet auch gar keinen Sinn. Dann ist es doch eigentlich schlauer zu sagen, ich reduziere mich auf das, was ich wirklich brauche, z.B. wie du das hier im Work Kontor auch machst und habe aber bei Bedarf den Zugriff auf flexibel zu buchbare Räume, die ich so nutzen kann, wie ich sie auch wirklich brauche. Das geht auch dahin, ausschließlich flexible Räumlichkeiten anzumieten. Wie flexibel kann es noch werden?

CV: Es wird noch flexibler werden als es ist, da gehe ich mit Sicherheit von aus. Wir haben erst angefangen bzw. sind dabei uns vorzutasten, was eigentlich funktioniert oder was auch weniger funktioniert. Ich stimme dir zu, es gibt einen Bedarf an Fläche, wo ich außerhalb meiner privaten Umgebung arbeiten kann – auf Bedarf. Wirklich auf Bedarf. D.h., dann wenn ich zuhause keine Ruhe habe, möchte ich irgendwo möglicherweise von Kindern weg. Vielleicht hat man auch seine Eltern mal zuhause gepflegt und möchte einfach ganz in Ruhe für sich arbeiten. Ich glaube der Umbruch, der in der Gesellschaft stattfindet, geht weiter: Ich brauche andere Möglichkeiten der verlässlichen Kinderbetreuung, ich brauche verlässliche Schulen, ich brauche Verlässlichkeit, wenn ich in der Unterstützung in der Pflege bedürftiger Angehöriger brauche. Bisher ist es so: Ich habe mein häusliches Umfeld, ich habe meinen Arbeitgeber, arbeite dort und gehe wieder nach Hause. Das ist im letzten Jahr komplett umgebrochen. Und jetzt kommen ganz viele Aspekte mit hinein, wie Kreativität: Wie komme ich noch an gute Ideen, wo entwickle ich gute Ideen, wo habe ich die Ruhe für mich gut zu arbeiten und wo kann ich mich auch mal mit 5 Leuten zusammensetzen und treffen? Und ich kann für uns sagen: Dieses Konzept trifft unsere Bedürfnisse eins zu eins. Das ist genau was wir brauchen: Die Mitarbeiter können kommen, wir haben immer die Möglichkeit hier zu arbeiten, wir haben die Möglichkeit uns hier in einen Meetingraum zu setzen, wir können uns mal zum Mittagessen am Tisch treffen (habe wir noch nicht gemacht, aber kommt bestimmt noch). Ich bin gespannt, wie es ist, wenn man sich mal auf der Terrasse zusammensetzt. Für mich sind solche neuen Arbeitsformen ein ganz wesentliches Vehikel, wo ganz, ganz viele verschiedene Bedürfnisse abgefangen und gut aufgefangen werden. D.h. das alte Büro ist weg, ganz zuhause arbeiten möchte ich nicht. Treffen kann ich mich in bestimmten Umgebungen – all das geht hier, das funktioniert. Insofern, ja, ich glaube, das ist so eine ganz tolle neue Möglichkeit, die alten Formen nicht gänzlich abzuschneiden und sich auch nicht 100% in eine private Umgebung zurückzuziehen. 

WK: Also eine Übergangsform?

CO: Das glaube ich auch. Und es wird noch Dinge geben, die wir uns heute noch gar nicht vorstellen können. Wie du sagst: Wer hätte vor 10 Jahren gedacht, dass wir heute so arbeiten müssen. Durch den Corona-Push, weil viele Unternehmen diesen Schritt freiwillig nicht gegangen wären. Nichtsdestotrotz ist die persönliche Komponente nicht zu vernachlässigen. Es gibt viele Leute, die wahrscheinlich sagen, Homeoffice ist für mich der Graus: Ich habe kein Arbeitszimmer oder ich kann mich nicht gut konzentrieren, ich brauche einfach diese neutrale Umgebung. Da wären auch viele, die es nicht gut können, nicht drumherum kommen. Aber was man nicht unterschätzen darf: Was macht es mit den Leuten innendrin? Da gibt es schon Studien zu. Ich glaube, das ist ein Punkt, den man nicht vernachlässigen darf. Umso wichtiger ist es daher Austauschplattformen, Begegnungsplattformen zu bieten. Weil ich auch Leute kenne, die sagen: Den ganzen Tag oder die ganze Woche und immer allein auf weiter Flur ist auch nicht meins. Und die Leute wollen auch weiterhin produktiv und gut arbeiten können. Man kann nicht immer seine persönlichen Belange erfüllt bekommen, völlig klar. Manche können sich im Großraumbüro wunderbar konzentrieren oder die setzen sich irgendwo hin, zack Laptop an – die können von überall aus arbeiten und andere haben sich die Kopfhörer aufgesetzt, weil sie es nicht ausblenden können – akustisch als auch optisch nicht. 
Das alte Büro ist weg, ganz zuhause arbeiten möchte ich nicht. Treffen kann ich mich in bestimmten Umgebungen - all das geht hier, das funktioniert.
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Christiane Vieten
Geschäftsführerin Vietenplus

WK: Du hast gerade schon erwähnt: Irgendwo hingesetzt, Kopfhörer auf, Laptop an – zack losgearbeitet. Ist das vereinbar mit Datenschutz und Privatsphäre?

CV: Ich glaube, da brauchen wir pragmatische IT-Modelle, die ein gutes Maß an Sicherheit bieten, ohne, dass sie die Vernetzung, die ich brauche, unterbinden. Da einen guten Weg zu finden, ist auch Ziel. Ich für meinen Begriff finde, dass extrem viel über Datensicherheit gesprochen wird und wir schießen teilweise weit über das Ziel hinaus. Wenn ich mir so angucke, was in den Gesundheitsämtern passiert, wo man vor lauter Datenschutz vergisst, dass es auch einen Auftrag gibt, die pandemiebedingten Themen in den Griff zu kriegen. Aber grundsätzlich ist es sicherlich ein Thema, einen guten Weg zu finden, zwischen Privatsphäre zu schützen (datentechnisch) und trotzdem gute Vernetzung zu ermöglichen.

CO: Wobei es ja ein Unterschied ist, wenn ich z.B. im Work Kontor sitze oder am Flughafen, am Strand oder sonst wo sensible Kundendaten bewege. Da muss man immer genau gucken, über was sprechen wir hier? Aber das „Ich arbeite mit meinem Laptop irgendwo auf der Welt“ gab es ja früher auch schon. D.h. das Datenschutzthema wird schon mehr, aber ganz neu ist es nicht.

WK: Dadurch, dass du hier z.B. auch Büroräumlichkeiten hast, die abgeschlossen sind, besteht da gar nicht die Notwendigkeit. Es ist ein sehr heikles Thema. Wir bekommen immer mal wieder die Frage gestellt – wie schaut’s denn aus mit Datenschutz? Ich brauche hier mein Einzelbüro, damit ich alles konform erledigen kann. Und das nehmen wir auf jeden Fall als Thema war. Zumindest, dass mal danach gefragt wird.

CO: Das ist für uns auch alles so surreal. Irgendwie ist alles in der Cloud und kommt auch wieder raus –  ganz pragmatisch gesagt. Wir sind alle keine IT’ler ich kann mir das nur in begrenzter Form vorstellen, auch da weiß ich nicht, wie sicher die Sachen dort sind. Auch hier wird es wieder negative Trends geben, irgendwelche Hacker, die an irgendwas rankommen und sich bereichern. Auch da wird es weitere Entwicklungen geben, denen man entgegentreten muss. Aber ich gebe dir Recht, Deutschland ist ein ganz typisches Beispiel für alles ein bisschen overdone.

WK: Für mich ist das ein Fall von „German Angst“. Meine Wahrnehmung ist häufig so, dass wir pauschalisiert gesagt eher doch einen Schritt zurück gehen, beobachten, zu Tode analysieren und dann ein theoretisches Problem entdecken. Darauf wird dann der Finger gelegt und so wird Fortschritt und Innovation einfach gehemmt und ausgebremst.

CV: Man darf nicht vergessen: Wir haben eine Vergangenheit, wir haben ein Faschismus-Modell mit einer Gestapo gehabt und wir haben eine DDR mit einer Stasi gehabt. Wenn diese Geheimdienste über die Methoden verfügt hätten, die wir heute haben, dann weiß ich nicht, was mit dieser Gesellschaft passiert wäre. D.h. wir haben zweimal Erfahrung gemacht in der Vergangenheit, die uns schon skeptischer sein lassen als andere Länder, weil wir eine Ahnung haben und auch noch erinnern, was passiert, wenn solche Daten in falsche Hände geraten. Welches Machtpotenzial eine bösartige Regierung über ihr Volk dann hat. Insofern – ich kann verstehen bzw. ich glaube, ich weiß, wo es herkommt, dass dadurch heute natürlich eine Menge ausgebremst wird, ist die andere Seite.

WK: Letzte Frage aus einem ganz anderen Kontext: Ahrensburg. Was macht die Stadt wirtschaftlich attraktiv und warum habt ihr euren Firmenstandort in Ahrensburg?

CV: Das ist ein ganz banaler Punkt: Weil die Firmengründerin hier zuhause ist (lacht). Und keine Lust mehr hatte, ständig jeden Morgen in die Hamburger Innenstadt zu fahren, wie sie es lange, lange, lange jeden Morgen getan hat. Ahrensburg ist Grün, Ahrensburg ist eine etwas verrückte, nicht so wirklich durchstrukturierte Stadt mit einem völlig durchgeknallten Parkleitsystem (lacht erneut) und vielen anderen Auffälligkeiten. Es ist eine liebenswerte Stadt, ist gut angebunden an Hamburg und das öffentliche Nahverkehrssystem und sie hat einen Autobahnanschluss und einen – wie ich finde – sehr hübschen Innenstadtkern, der kann sich wirklich blicken lassen. Wenn wir demnächst auch noch ein Kino wieder bekommen, wird’s noch liebenswerter.

WK: So einfach kann’s manchmal sein. Vielen Dank für das Gespräch!

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